Google Ads Freelancer oder Agentur: Welche Zusammenarbeit passt zu Ihrem Unternehmen?
Freelancer oder Agentur? Ein Vergleich ohne Schönfärberei: Kosten, Seniorität, Skalierung und die fünf Fragen, die Ihre Entscheidung treffen.
Matthias Zehler
Google Ads Freelancer für LeadgenerierungDie ehrliche Antwort vorweg
Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, und wer eine gibt, verkauft etwas. Die Entscheidung hängt nicht von der Firmenform ab, sondern von drei Dingen: Wer arbeitet tatsächlich am Konto, wie komplex ist Ihr Kanalmix, und wie viel Prozess brauchen Sie um die Kampagnen herum. Die gute Nachricht ist, dass sich diese drei Fragen klären lassen, bevor ein Vertrag unterschrieben ist.
Was die Zusammenarbeit strukturell unterscheidet
| Kriterium | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|
| Ansprechpartner | identisch mit der Person, die am Konto arbeitet | oft Sales oder Account Management, Umsetzung im Hintergrund |
| Seniorität der Umsetzung | meist senior, sonst hat das Modell keinen Vorteil | gemischt, häufig übernimmt ein Junior die Tagesgeschäfte |
| Kanalbreite | ein bis zwei Kanäle, dafür in die Tiefe | viele Kanäle parallel, Kreation aus einem Haus |
| Kostenrahmen | Retainer meist zwischen 1.200 und 3.500 Euro | Retainer meist zwischen 2.500 und 6.000 Euro, oft mit Mindestlaufzeit |
| Skalierung | an der Kapazität einer Person gebunden | Team kann wachsen, Wechsel im Team sind möglich |
| Ausfallsicherheit | Urlaub und Krankheit spürbar, Übergaben entscheidend | Vertretung organisiert, dafür mehr Schnittstellen |
Die Spannen in der Tabelle sind bewusst als Spannen formuliert, weil der Markt breit ist. Wer die Kosten im Detail vergleichen möchte, findet sie im Artikel zu den Preisen für Google Ads Freelancer.
Wann eine Agentur die bessere Wahl ist
Ich verweise Kunden selbst an Agenturen, wenn die Anforderungen es verlangen, und das kommt öfter vor, als man denkt. Eine Agentur lohnt sich, wenn Sie viele Kanäle gleichzeitig bespielen wollen, etwa Suchanzeigen, Paid Social, Programmatic und E-Mail aus einer Hand. Wenn laufend neue Werbemittel, Landingpages oder ganze Kampagnen produziert werden müssen, braucht es ein Team. Und wenn Sie ein großes Budget über mehrere Länder und Sprachen verteilen und dazu wöchentliche Abstimmungen mit mehreren Abteilungen halten, ist der Prozess einer Agentur kein Overhead, sondern die Voraussetzung dafür, dass nichts verloren geht.
Der zweite Fall ist die Verfügbarkeit. Wer rund um die Uhr Reaktionszeiten braucht oder sehr kurzfristig auf Marktänderungen reagieren muss, kauft mit einer Agentur Redundanz ein. Die hat ihren Preis, und der ist gerechtfertigt, wenn das Geschäft darauf ruht.
Wann ein Freelancer die bessere Wahl ist
Der umgekehrte Fall betrifft die meisten Unternehmen, die ich betreue: Google Ads als Hauptkanal für Anfragen, ein Budget zwischen etwa 2.000 und 20.000 Euro im Monat, und die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Breite, sondern in der Tiefe. Bei der Leadgenerierung entscheidet die Qualität der Conversion-Datenbasis, nicht die Teamgröße. Ob der Import von Offline Conversions aus dem CRM sauber läuft, ob Enhanced Conversions aktiv sind, ob das Bidding die richtigen Signale erhält: Das sind Aufgaben, die eine Person mit Senior-Erfahrung direkt erledigt.
Dazu kommt der direkte Zugang. Bei einem Freelancer sprechen Sie mit der Person, die Ihre Kampagnen kennt, ohne dass zwischen Strategie und Umsetzung jemand übersetzt. Für Mittelständler und B2B-Unternehmen beschleunigt das Entscheidungen spürbar, weil weniger Sitzungen nötig sind, bis eine Änderung live ist.
Was keines von beiden repariert
Es lohnt sich, das klar zu sagen: Kein Betreuungsmodell korrigiert eine falsche Definition von Erfolg. Wenn das Konto nur Formulareingänge als Conversion zählt und der Vertrieb die Anfragen nicht haben will, liefert die Agentur dasselbe Ergebnis wie der Freelancer, nur mit mehr Leuten und einer höheren Rechnung. Die Arbeit an der Leadqualität beginnt im CRM, nicht in der Firmenform.
Die Firmenform ist austauschbar. Die Kompetenz am Konto nicht.
Risiken, die in keinem Pitch vorkommen
- Freelancer: Eine Person bedeutet einen Engpass. Urlaub und Krankheit sind spürbar. Wichtig ist, wie die Vertretung geregelt ist und ob es eine dokumentierte Übergabe gibt.
- Agentur: Der Senior, der den Auftrag verkauft hat, ist selten die Person, die das Konto betreut. Fragen Sie nach dem Namen und der Erfahrung der Umsetzung.
- Agentur: Wechsel im Team sind an der Tagesordnung. Ein Betreuerwechsel mitten in einer laufenden Optimierung kostet mehr, als die meisten Verträge einräumen.
- Beide: Laufzeiten von zwölf Monaten mit dreimonatiger Kündigungsfrist sind in Agenturverträgen häufig. Prüfen Sie, was nach der Probezeit gilt.
Zu den Risiken des Freelancer-Modells zähle ich ausdrücklich die Auslastungsfrage. Ein Freelancer, der zwanzig Konten betreut, hat für keins davon genug Zeit. Fragen Sie offen, wie viele Kunden betreut werden und wo die Grenze liegt. Ein seriöser Freelancer nennt eine Zahl, keine Ausweichbewegung.
Fünf Fragen statt Faustregel
- Wer sitzt im Erstgespräch, und wer arbeitet am Konto?
- Wie viele Konten betreut diese Person insgesamt?
- Lassen sich Ergebnisse mit Zahlen belegen, aus der Zeit vor und nach der Zusammenarbeit?
- Was passiert mit Tracking und CRM-Daten, und wer hat darauf Zugriff, wenn die Zusammenarbeit endet?
- Wie kurzfristig kann die Zusammenarbeit enden, und was bleibt bei Ihnen?
Diese Fragen arbeiten in beide Richtungen. Ich beantworte sie im Erstgespräch genauso offen, und ich sage auch, wenn ich eine Zusammenarbeit für den falschen Auftrag halte. Wer vorher prüfen möchte, mit wem er spricht, findet den Hintergrund auf der Seite über Matthias Zehler.
Die ehrliche Antwort auf die Frage am Anfang lautet: Beide Modelle liefern gute und schlechte Ergebnisse. Der Unterschied liegt nicht in der Rechtsform, sondern darin, ob die Person am Konto die Qualität Ihrer Anfragen messen kann und darf. Wenn das stimmt, ist die Wahl zwischen Freelancer und Agentur eine Frage der Bandbreite Ihres Vorhabens, und dann fällt die Entscheidung leicht.